28.05.2013 - Australische Baunorm  
     
  Chinesische Gebaeude sind - gemessen an deutschen Standards - minderwertig. Dafuer gibt es einen plausiblen Grund: China ist zum Zeitpunkt der Veroeffentlichung dieser Geschichte ein Entwicklungsland.

Australien ist kein Entwicklungsland. Was wuerde man demnach von Gebaeuden in Australien erwarten? Klar doch, dass sie in aehnlich nachhaltiger Weise gebaut werden wie in Deutschland.

Dem ist aber nicht so: Im Bundesstaat Queensland, zum Beispiel, sieht man fast ausschliesslich Leichtbauten aus Stahlprofilrahmen mit Wellblechdaechern. Dies mag daran liegen, dass es dort keinen ernsthaften Winter gibt - weshalb Queensland sich auch als Rentendomizil gut eignet (wir denken darueber nach). Allerdings werden Staedte und Gemeinden an der Ostkueste regelmaessig (ein- oder mehrmals pro Jahr) von tropischen Wirbelstuermen heimgesucht, die viele der "Kartenhaeuser" genau wie solche zusammenfalten und zerstoeren. Man wuerde also annehmen, dass die Bauweise diesen klimatischen Bedingungen Rechnung traegt. Ist aber nicht so, und deshalb werden Yasi und Konsorten in Queensland auch in Zukunft noch ganze Siedlungen zusammenfalten.

Oder, in Melbourne werden Neubauten eben nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sondern auf Maximierung des Profits der Entwicklungsgesellschaften. Und das geht so: eine Entwicklungsgesellschaft beauftragt einen Arschitekten damit, ein Gebaeude sowie die infrastrukturellen und Einrichtungsdetails zu planen. Danach uebergibt die Entwicklungsgesellschaft das Budget und die Oberhoheit des Bauens an eine Baufirma, die dann nach Herzenslust die Vorgaben des Arschitekten ignoriert und billigere Infrastruktur einbaut und somit natuerlich eine Menge Geld spart und den eigenen Profit erhoeht. Der Arschitekt ist - anders als in Deutschland - nicht fuer das Ergebnis des Baus verantwortlich.

Individuelle Eigentuemer und Mieter sind die Leidtragenden dieser unsinnigen Profitschoepfungskette: in Wohnungen wie unserer, die den ahnungs- und im Regelfall planlosen Kaeufer zirka 6300 EUR pro Quadratmeter kosten, sind Fenster nur einfach-verglast, trompeten-Aluminumprofil-blecherne Fensterrahmen sind nicht isoliert sowie licht-, luft- und schalldurchlaessig eingebaut, Trockenwaende sind weder schall- noch waermegedaemmt, Tueren schliessen per Design nicht dicht, und Wasserhaehne sowie Mischbatterien der Duschen taugen nur zum Anschauen.

Unten ein praktisches Beispiel wie sich die entwicklungslaendischen australischen Baunormen auf unser Leben in unserer erstbezogenen Mietwohnung im neu errichteten Haus auswirkt ...
 
 
Morgens nach dem Aufstehen: alles beschlagen, und das Wasser laeuft in Stroemen das Glas herunter
Aussichtsloser Kampf
Diese Bilder haben wir an den Verwalter des Gebaeudes geschickt mit dem Hinweis, dass wir alles in unserer Macht Stehende getan haben, um diesen Zustand zu mildern (offensichtlich ohne Erfolg) und dass dieser Zustand langfristig negative Auswirkungen auf den Wiederverkaufswert der Wohnung haben wird. Der Verwalter hat unsere Nachricht an die Entwicklungsfirma weitergeleitet. Der Projektleiter der Entwicklungsfirma liess uns wissen, dass das Gebaeude gemaess australischen Baunormen gebaut worden sei. Er verwiess des weiteren auf einen Artikel in der Online-Zeitung TheAge, der Hausfrauentipps zur Vermeidung von Kondensation gibt. Der Eigentuemer der Wohnung wurde nicht in die Gespraeche einbezogen. Er wird sich wohl damit abfinden muessen, dass seine teuer erstandene Infrastruktur in einigen Jahren maechtig gelitten haben wird. Wir sind enttaeuscht aber einen Schritt weiter im Verstaendnis von Qualitaet am Bau in Australien.
Der Wasserhahn zum Angucken
Diese Wasserhaehne sehen schon gut aus (bis auf das haessliche Gelenkstueck am Auslass). Allerdings sind sie zu kurz: das Wasser laeuft etwa 2cm vor der hinteren Kante des Waschbeckens herunter. Wenn man sich die Haende waescht, ueberschwemmt ein Teil des Bereiches ausserhalb des Waschbeckens. Das kleine Gelenkstueck am Ende des Wasserhahnes hat die Entwicklungsfirma einbauen lassen, nachdem sich viele der Bewohner ueber die Nutzlosigkeit der Wasserhaehne beschwert hatten. Nun, das Gelenkt lindert den Schmerz aber mal ganz ehrlich: was erlauben Strunz!

Wie oben beschrieben, ist nicht der Arschitekt der Unhold sondern die Baufirma, die nur ein Budget vorgegeben bekommt und dann einfach Billig-Infrastruktur einbaut - zum Leidwesen der Nutzer - und auf Nachfrage vollkommen unzulaenglich - aber allgemein anerkannt - auf die australische Baunorm verweist.

Zusaetzlich haben Mieter in Australien so gut wie keine Rechte. So duerfen Mieter aufgrund von baulichen Unzulaenglichkeiten die Miete nicht vermindern. Das hat einen einfachen Grund: der gemeine australische Wohnungseigentuemer kauft auf Pump (etwa 90% des Kaufpreises wird finanziert), und fast jeder Australier besitzt ein Haus (korrigiere: die Bank besitzt das Haus). Und, der gemeine australische Wohnungsbesitzer verwendet den groessten Teils seines verfuegbaren Nettoeinkommens fuer die Abzahlung seiner Traumbude. Nun stelle man sich vor, Mieter koennten bei Baumaengeln einfach die Miete und somit das Einkommen des Eigentuemers verringern. Dann wuerde der gemeine australische Privatinvestor seine Schulden nicht mehr bezahlen koennen, und das haette moeglicherweise Auswirkungen wie in den USA. Und das wollen wir doch nicht, oder?
Feststehende Fenster
Dieses Element (und noch ein anderes auf der gegenueberliegenden Seite) sollte eigentlich fest in Rahmen sitzen. Man kann es jedoch am oberen Ende mit der Hand lateral um 1 cm (also von Innen nach Aussen) hin- und herschieben. Der den Pfusch begutachtende Baumeister fragte mit einem schelmischen Laecheln auf den Lippen: "also das hier ist das fixe Element, ja?". Nach Aussage des Baumeisters kann es Wochen dauern, bis die Fensterfirma sich des Pfusches annimmt. Hier noch einmal zur Wiederholung: der Mieter hat kein Recht, die Miete zu mindern. Um den Geraeuschpegel und den Luftzug zumindest temporaer zu daemmen, haben wir den Pfusch mit Klebeband abgedeckt.
Das Loch
Dieser Spalt zwischen Schiebetuerunterkante und Rahmen ist etwa 1 Quadratzentimeter gross und laesst einen leichten Windzug und natuerlich Geraeusche nach Innen dringen. Der Baumeister zeigte sich von diesem Pfusch allerdings wenig beeindruckt.